Unser Schulprofil

Ästhetische Bildung an unserer Schule

 

Die hundert Sprachen des Kindes

Ein Kind ist aus hundert gemacht.

Ein Kind hat hundert Sprachen
hundert Hände
hundert Gedanken
hundert Weisen zu denken,
zu spielen und zu sprechen.

Immer hundert Weisen zuzuhören
zu staunen und zu lieben
hundert Weisen zu singen und zu verstehen
hundert Welten zu entdecken
hundert Welten zu erfinden
hundert Welten zu träumen.

Ein Kind hat hundert Sprachen
doch es werden ihm neunundneunzig geraubt.
Die Erwachsenen trennen ihm den Kopf vom Körper.
Sie bringen ihm bei
ohne Hände zu denken
ohne Kopf zu handeln
ohne Vergnügen zu verstehen
ohne sprechen zuzuhören, zu lieben und zu staunen
nur Ostern und Weihnachten zu lieben und zu staunen.

Sie sagen ihm, dass die Welt bereits entdeckt ist
und von hundert Sprachen rauben sie ihm neunundneunzig.

Sie sagen ihm, dass das Spielen und die Arbeit
die Wirklichkeit und die Phantasie
die Wissenschaft und die Vorstellungskraft
der Himmel und die Erde
die Vernunft und der Traum
Dinge sind, die nicht zusammengehören.
Sie sagen also, dass es die hundert Sprachen nicht gibt.
Das Kind sagt: „Aber es gibt sie doch.“

(Malaguzzi, Begründer der Reggio-Pädagogik)

 

 

Nach Auffassung der Reggianer setzen Kinder alle Sinne ein, um die Welt zu verstehen, sich ein Bild von der Welt zu machen und Beziehungen einzugehen. Kinder verfügen über „100 Sprachen“ der Wahrnehmung, der Wahrnehmungsaneignung, des Ausdrucks und der Mitteilung.

Je intensiver alle Sinne in diese Wahrnehmung einbezogen sind, desto intensiver können die Kinder empfinden und denken lernen (in hundert verschiedenen Empfindungen), Erfahrungen sammeln und Hypothesen über die Welt aufstellen – also lernen und sich bilden. Die Ästhetische Bildung (gr. Aisthesis: sinnliche Wahrnehmung und Empfindung) verkörpert diesen Ansatz des Lernens mit allen Sinnen.

Neurowissenschaftler*innen weisen außerdem darauf hin, dass Sinneswahrnehmungen – und dabei vor allem die körpernahen Sinne – eine wesentliche Rolle bei der Vernetzung des Gehirns spielen. Das Denken der Kinder ist daher eng an die sinnlichen Erfahrungsprozesse geknüpft.

Neben den sinnlichen Eindrücken spielt der Ausdruck ebenso eine Rolle. Laut der Reggio-Pädagogik entfalten sich die „100 Sprachen“ der Kinder am besten im expressiven Ausdruck, sprich Tanz, Theater, Malen, Zeichnen, Musizieren, Gestalten u.v.m. Vor allem anhand dieser Tätigkeiten verleihen die Kinder ihren Eindrücken neuen Ausdruck.

Gerade im kreativen Tun („dem Eindruck Ausdruck verleihen“) knüpfen Kinder Beziehungen und treten in Dialog mit den Dingen und vereinen so Fantasie mit Weltverarbeitung.

An der EMILIA Heidelberg steht daher das Prinzip der „100 Sprachen“ im Zentrum. Also die Vielfalt sinnlicher, emotionaler und auch reflexiver Erfahrungen: das Sehen, Anfassen, Riechen, Hören, das sich Bewegen, Erinnern, Experimentieren und mit Gefühlen verknüpfen.

Entsprechend werden keine Wertunterschiede zwischen den „Sprechweisen“ gemacht.

Damit die Ästhetische Bildung – also die Wahrnehmung und das Verstehen der Welt über die Sinne, sowie der expressive Ausdruck – vielfach wirken kann, werden unser Schulalltag, die Räumlichkeiten und die Impulse an die Kinder so gestaltet, dass in allen Aktivitäten der Kinder möglichst viele Sinne angesprochen werden und sie eigene kreative Wege für die Erfassung und Erforschung eines Themas wählen können. Ihren sinnlichen Wahrnehmungen dürfen und sollen die Schüler*innen jederzeit ästhetischen Ausdruck verleihen.

Kreative Ausdrucksformen und Wahrnehmungsebenen gehören beim fächerübergreifenden Arbeiten dazu.

„Nichts ist im Verstand,
was nicht vorher in den Sinnen gewesen ist.“

Aristoteles

Waldpädagogik an unserer Schule:

Der Wald als Verstärker der sinnlichen Wahrnehmung

Die Sinne werden im Wald auf unterschiedliche Weise angesprochen und geschult. Die Natur und insbesondere der Wald mit seinem reichhaltigen Potential an Platz, Materialien, Formen, Farben und Aggregatzuständen bietet das ideale Umfeld, eigene Gestaltungs- und Ausdruckswege zu entdecken. Die Naturmaterialien laden zu kreativem und fantasievollem Spiel ein. Dadurch lässt sich im Sinne der Reggio-Pädagogik der Raum „Wald“ ideal als Basis zu Wahrnehmungs- und Ausdrucksförderung nutzen. Haptische Erlebnisse regen die Sinne an und katalysieren die Lernprozesse.

Das direkte Erleben und die vielfältigen Sinneserfahrungen (Eindruck) regen zum kreativen Ausdruck an. Gedichte schreiben, Zeichnungen anfertigen, Geschichten erzählen oder spielend Naturgesetze erkunden, sind nur wenige der Möglichkeiten, die sich hier eröffnen.

 

Der Wald bietet gegenüber den geschlossenen Räumen noch eine Reihe anderer Vorteile:

  • Jahreszeiten und Kreisläufe der Natur werden hautnah erlebt und können erforscht werden. Der Bezug zu naturwissenschaftlichen Themen muss nicht künstlich erzeugt werden. Die Naturwissenschaften nehmen dadurch an unserer Schule automatisch einen höheren Stellenwert ein.
  • Der Wald bietet eine aktivierende Atmosphäre des Wohlbefindens, stimuliert die Kommunikation, schafft ein dialogisches Verhältnis zwischen den Kindern, stellt gegenständliche Ressourcen für Spiel- und Projektaktivitäten zur Verfügung und gibt Impulse für vielfältige Aktivitäten.
  • Im Wald gibt es darüber hinaus viel Raum, um zu forschen, zu toben, motorische Fähigkeiten beim Klettern, Balancieren oder Bauen zu trainieren. Er bietet Raum für Rollenspiele und konzentriertes Arbeiten in Kleingruppen oder allein.

"Bewegung ist nötig, um Gedanken zu verankern."

Gerald Hüther

Der Wald als Unterstützer kognitiver Entwicklung

Der Wald spielt nicht nur bei der Ästhetischen Bildung eine wichtige Rolle. Wie Studien zeigen, hat er auch ganz konkrete positive Effekte auf das zentrale Nervensystem. Der tägliche Aufenthalt im Wald führt den Ergebnissen zufolge zu einer erhöhten Ausdauer und Konzentration. In den Studien, in denen Waldkindergartenkinder mit Regel-Kindergartenkindern verglichen wurden, schneiden in den Bereichen Sozialverhalten und Mitarbeit im Unterricht die Waldkinder signifikant besser ab. Der tägliche Aufenthalt im Wald wirkt sich außerdem positiv auf die Kooperations- und Teamfähigkeit der Kinder aus.

In körperlicher Hinsicht unterstützt der tägliche Aufenthalt in der freien Natur eine positive Entwicklung der kindlichen Motorik und Wahrnehmung in den Bereichen Grob- und Feinmotorik, Koordination, taktiler Wahrnehmung und Tiefensensibilität. Die tägliche Bewegung im Wald wirkt nicht nur stärkend auf das Immunsystem. Auch die kognitive Leistung wird dadurch gesteigert. Durch die Bewegung werden Endorphine und Dopamin ausgeschüttet. Dopamin gehört zu den wichtigsten Neurotransmittern im zentralen Nervensystem. Es beeinflusst unser Wohlbefinden und ist für unsere Glücksgefühle verantwortlich. Außerdem wird das Belohnungszentrum im Gehirn von Dopamin angeregt und sorgt mitunter für Freude, Lust und Begeisterung am Lernen. Darüber hinaus steigt bei körperlicher Aktivität der Spiegel an Endorphinen im Gehirn, was gleichzeitig die Stimmung und somit die Freude am Lernen erhöht und damit die Effektivität steigert.

Auch das Verständnis über die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz können Kinder in dieser Weise besonders verknüpfen und so verinnerlichen. Damit verfolgen wir die Anliegen des Bildungsplans im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung in besonderer Weise.

Der Wald als Raum nimmt bei den täglichen Projekten daher eine Schlüsselrolle ein. Er gilt als Initiator für Impulse und Projektideen. So ergeben sich Fragestellungen aus der Umgebung der Kinder heraus, die in der alltäglichen Klassenzimmeratmosphäre künstlich erzeugt werden müssten.

Unser pädagogisches Team

Lernbegleiterin Carmen Müller

Carmen Müller ist Freinet-Pädagogin und Fachlehrerin für den Ästhetischen Bereich,

mit 7 Jahren Erfahrung an den Lernzeiträumen von den Klassen 1-11.

Lernbegleiterin Janine Kairies

Janine ist Lernbegleiterin und zertifizierte Waldpädagogin. Sie bringt Erfahrungen aus ihrer über 10-jährigen Tätigkeit an einer freien Alternativschule mit sowie aus unterschiedlichen waldpädagogischen Angeboten.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist der Bereich des Schriftspracherwerbs sowie die Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Lernbegleiterin Josi Ahrens

Josi ist Sonderpädagogin,

examinierte Theaterpädagogin und Diplom-Tanzpädagogin (i. A.).

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bereich der mathematischen Bildung.

Lernbegleiter Christian Haaß

Christian ist Lernbegleiter, Sonderpädagoge und examinierter Theaterpädagoge.

Neben Theaterpädagogik hat er sich auf Erlebnispädagogik, Medienpädagogik und Deutsch mit Schwerpunkt freiem Schreiben spezialisiert.

Schulhündin Ida

Hallo, ich bin Ida – eine 9-jährige Golden Retriever Hündin – und unterstütze seit 2012 unsere Lernbegleiterin Janine als Schulhündin.

Meine Besitzerin beschreibt mich als freundlich, verschmust, verspielt und verfressen (Letzteres würde ich jedoch eher als „gesunden Hunger“ bezeichnen.). In der Schule liebe ich es, Tricks zu machen, zu schmusen, in den Pausen zu spielen und mit den Kindern Quatsch zu machen. Gerne liege ich auch schlafend genau dort, wo die meisten Leute vorbeikommen (Ich will ja nichts verpassen.).

Als Schulhund übernehme ich diese Aufgaben: Verantwortungs- und Selbstbewusstseinscoach, Respektvermittler, Konzentrationstrainer, Integrationshelfer, Stressfresser und Seelentröster, Stimmungsaufheller und Motivator.

Unser wissenschaftlicher Beirat

Pädagogische Beratung

Dipl.-Päd. Signe Brunner-Orawsky unterstützt die Freie Waldschule Heidelberg beratend mit ihrer

langjährigen Erfahrung bei allen konzeptionellen und pädagogischen Themen.

 

“Es gibt sicher nicht die eine Schule, in der alle Kinder optimal lernen können. Aber wir sollten alle Wege nutzen, die Bildung vom Kind aus und mit pädagogischer Weitsicht denken.

Schulen, die Natur und Kinder zusammenbringen, sind solche Orte. Sie beleben die notwendige Vielfalt der Schullandschaft und sie verfolgen vor allem eines: Sie lassen Kinder gesund ins Leben wachsen.”

Praxis Schneckenflug Heidelberg

Praxis Schneckenflug Heidelberg

Pädagogische Begleitung

Prof. Dr. Tassilo Knauf – Vorstand Dialog Reggio e.V.

 

“Das Kind will als Forscher die „Welt“ verstehen. Dazu gehören alle die Dinge, Lebewesen und Vorgänge, die es in seinem Erfahrungsfeld, in den Medien oder in seiner Fantasie sieht. Das Kind will diese Dinge in eine gedankliche, gefühlsmäßige und vor allem handlungspraktische Beziehung zu sich bringen. Das Kind als Entdecker, Forscher und Künstler kann sich in Projektaktivität sinnlicher Wahrnehmung, Kommunikation, Fantasie und Experimenten hingeben. Das Weiterführen der bekannten Reggio-Pädagogik in die Grundschule und zusätzlich die Erweiterung des Waldes als 3. Erzieher wird ein aufregendes Spannungsfeld ergeben, welches ich mich freue begleiten zu dürfen.

www.reggio-deutschland.de/

 

Sonderpädagogische Begleitung

Prof. Dr. Ulrich Heimlich, Ludwig-Maximilians-Universität München, Lehrstuhl für Lernbehindertenpädagogik

 

“Naturerlebnisse und ästhetische Lernerfahrungen bieten viele Möglichkeiten, unterschiedliche Kinder am gemeinsamen Unterricht teilhaben zu lassen. Insofern eignet sich gerade die Waldpädagogik meiner Meinung nach hervorragend für inklusive Bildungsangebote. Im inklusiven Unterricht können Kinder viel voneinander lernen und sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Interessen begegnen. Darüber hinaus lassen sich Verständnis und Anerkennung für Unterschiede zwischen Menschen und ein aufmerksamer Umgang mit der Natur nicht früh genug lernen. Wir sollten daher bereits in der Schule damit beginnen.”

Klaus Hartmann

Medizinische Beratung

Priv.-Doz. Dr. med. Klaus Hartmann, Move Fitness- und Freizeitanlage GmbH & Co KG

“Die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist individuell sehr unterschiedlich und erfordert eine schulische Betreuung, die die Bedürfnisse des Einzelnen in den Fokus stellt. Dabei ist auch die Nähe zur Natur und das gemeinsame Lernen und Erleben der Schüler miteinander ein wichtiger Baustein.”

Beratung zu Kunst, Musik und Ästhetische Bildung

Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt

Pädagogische Hochschule Heidelberg (Institut für Kunst, Musik und Medien)

 

Kunst ist unerlässlich für die Herausbildung unserer Persönlichkeit. Die OECD hat 2019 einen Lernkompass 2030 als neues Rahmenkonzept des Lernens vorgestellt, das diese Aussage bestätigt: „Erfolg in der Bildung heißt heute nicht nur Sprache, Mathematik oder Geschichte, sondern ebenso Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit. Es geht darum, Neugier und Wissensdurst zu wecken, den Intellekt für Neues zu öffnen. Es geht um Mitgefühl, darum, die Herzen zu öffnen. Es geht um Mut, um die Fähigkeit, unsere kognitiven Ressourcen zu mobilisieren. Bis heute kennt die Forschung nichts, das die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern in vergleichbarer Weise fördert wie der Kunst- und Musikunterricht.“

Wir brauchen die Kunst für die Herstellung einer Welt, in der es zu leben lohnt!

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Unsere Schule steht allen Kindern offen – unabhängig von ethischen, sozialen oder religiösen Hintergründen, Geschlecht oder Behinderung. Wichtig ist, dass die Eltern hinter den Leitgedanken unseres Schulkonzeptes stehen und gemeinsam mit uns und ihren Kindern diesen neuen Weg gehen. In einem persönlichen Aufnahmegespräch lernen wir uns kennen und beantworten alle aufkommenden Fragen.
Die Unterschiede in Kürze:
  • Circa 2/3 des gesamten Unterrichts finden im Wald/draußen statt. Damit fördern wir die Gesundheit der Kinder, sowie das Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit
  • unser ästhetischer Ansatz ermöglicht allen Kindern einen kreativen und alle Sinne ansprechenden Zugang zum Lernen
  • wir arbeiten in fächerübergreifenden und kompetenzübergreifenden Projekten
  • Frontalunterricht wird ersetzt durch Freiarbeit und Projekte
  • in sogenannten Familienklassen von etwa 20-24 Schülern lernen die Schüler*innen altersgemischt voneinander und miteinander. Die Erfahrung zeigt, dass die Schüler*innen somit bessere Lernergebnisse erzielen.
  • statt Leistungs- und Notendruck stehen vertrauens- und respektvolle Beziehungen zwischen Schüler*innen untereinander und den Lernbegleiter*innen im Fokus. Das Vertrauen liegt in den Entwicklungskräften der Kinder. Leistungsnachweise erfolgen individuell. Die Lernbegleiter*innen erstellen eine detaillierte, anerkannte Leistungsdokumentation.
Nein, bei dem ästhetischen Ansatz unseres Konzepts geht es nicht um künstlerische Kompetenzen, sondern vielmehr um einen kreativen Umgang mit Lerngegenständen. Die Schüler*innen zeichnen, bauen, schreiben, musizieren oder spielen Theater, um auf diese Weise ästhetisch, kreativ und vor allem mit allen Sinnen einen Zugang zum jeweiligen Lerngegenstand zu erhalten. Wie neurowissenschaftliche Studien in Bereichen der ästhetischen Transferwirkung zeigen, fördern wir so auf diese Weise die Lust am Lernen und die Kinder verankern Gelerntes nachhaltig.
Nein. Freie Schulen unterscheiden sich vor allem durch ihre besondere pädagogische Ausrichtung von staatlichen Schulen. An unserer Schule wird jedes Kind auf seinem Entwicklungsstand abgeholt. Das Wort „Lernschwierigkeit“ existiert bei uns nicht. Jedes Kind entwickelt bei uns seine Kompetenzen und Fertigkeiten in seinem individuellen Tempo. Durch unsere besondere pädagogische Ausrichtung ermöglichen wir jedem Kind Zugang zu den Lerninhalten.
Wie wissenschaftliche Studien zeigen, aktiviert Notengebung und Sitzenbleiben das Bestrafungs- und Belohnungszentrum im Gehirn. Dadurch ist die Lernmotivation durch extrinsische Faktoren bestimmt. Gelerntes wird meist sofort wieder vergessen. An unserer Schule liegt der Fokus auf nachhaltigem Lernen. Und dies erreichen wir, in dem wir die intrinsische Motivation der Schüler*innen durch die unterschiedlichen Sinneserfahrungen in unserem waldpädagogischen und ästhetischen Bildungsansatz wecken. Echte Freude und Eifer am Lernen wird bei uns nicht durch Noten oder Druck gebremst.
Aus Erfahrungen anderer Schulen mit freien Konzepten bundesweit wissen wir, dass Kindern aus Freien Schulen den Übergang zu weiterführenden Schulen genauso gut oder schlecht meistern wie Schüler*innen aus Regelschulen. Darüber hinaus sind die Schüler*innen von Schulen mit non-konformer Pädagogik meist zusätzlich in der Lage, eigenständiger zu arbeiten, selbständiger zu lernen, sowie sich Wissen anzueignen, und verfügen über eine hohe soziale Kompetenz. Unsere Schüler*innen lernen, selbst zu lernen. Diese Fähigkeit ist besonders wichtig, um die für die Prüfungsfächer relevanten Inhalte sich schnell und selbstständig anzueignen und abzurufen. Außerdem zeichnen sich Schüler an freien Schulen durch Kreativität, Teamfähigkeit und emotionale Intelligenz aus - alles Fähigkeiten, die in der Berufswelt notwendig sind. Auch hier zeigen die Erfahrungen anderer Schulen mit alternativen pädagogischen Konzepten, dass Kinder aus diesen Bildungseinrichtungen einen Schulabschluss meist überdurchschnittlich gut bewältigen. Sollte ein Schulwechsel erforderlich sein – insbesondere bei Übergang auf eine weiterführende Schule nach der 4. Klasse -, werden die Eltern gebeten, diesen rechtzeitig anzukündigen, um gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, die dem Kind den Übergang erleichtern können. Die Anforderungen des baden-württembergischen Bildungs- und Erziehungsplanes werden beim Übergang in eine andere Grundschule oder eine weiterführende Schule umgesetzt. Das bedeutet, dass unsere Lernbegleiter*innen die Eltern und Kinder hinsichtlich des weiteren Bildungsweges beraten und frühzeitig Kontakt zur aufnehmenden Schule suchen, um über das Schulkonzept der Freien Waldschule Heidelberg im Allgemeinen und die Stärken und Schwächen des einzelnen Kindes im Besonderen zu informieren. Wir planen nach der Genehmigung vom Regierungspräsidium, unsere Grundschule auf die Sekundarschule auszuweiten. Die Abschlussprüfung können die Schüler dann extern ablegen.
Uns ist es wichtig ein respektvolles Miteinander zu leben, in dem die größtmögliche Entfaltungsmöglichkeit bei gleichzeitiger Sicherheit durch einen klaren Rahmen ermöglicht wird. Dafür bieten wir liebevolle Begleitung und klare Strukturen. Es gibt Regeln im Umgang miteinander, im Verhalten im Wald und im Gebäude, an die sich alle gleichermaßen halten müssen. Nur so ist ein angenehmes und liebevolles Miteinander möglich. Es ist ebenso wichtig, dass Kinder auch Grenzen kennenlernen. Innerhalb dieses Rahmens können wir die Schüler*innen ihren Lernbedürfnissen entsprechend begleiten. Wir wollen eine kooperative, soziale und teamfähige Gruppe etablieren. Studien zeigen, dass besonders der Wald als Lernort, einen solchen Verbund positiv beeinflusst.
Ein Quereinstieg ist jederzeit möglich. Voraussetzung für die Aufnahme jedes Kindes ist die Bereitschaft der Eltern, das besondere pädagogische Konzept der Schule als Basis für die Kooperation zwischen Elternhaus und Schule anzunehmen und sich mit der Pädagogik unserer Bildungseinrichtung auseinander zu setzen. Dazu gehören die Kenntnis der in Schriftform vorliegenden Konzeption ebenso wie der Besuch verschiedener thematischer Veranstaltungen der Freien Waldschule Heidelberg. Eine Erziehungspartnerschaft, die durch einen Konsens bezüglich der Bildungs- und Erziehungsziele gekennzeichnet ist, sehen wir als unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Schulzeit der Kinder. Die Aufnahme der Kinder soll im Einverständnis aller Beteiligten – Kinder(n), Eltern und Lernbegleiter*innen der Einrichtung - erfolgen. Nach einem Aufnahmeverfahren, welches den Eltern und den Kindern ein aktives Kennenlernen der pädagogischen Grundsätze der Schule ermöglicht, folgt der Antrag beider Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Entsprechend der Satzung des Vereins werden Kinder unabhängig von ethnischen, sozialen oder religiösen Hintergründen, Geschlecht oder Behinderung aufgenommen.
Der Wald bietet sehr gute Voraussetzung für die Betreuung und Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in körperlicher wie auch geistiger Hinsicht. Vielfältige Erfahrungsräume sind vorhanden und bieten unterschiedliche Wahrnehmungserfahrungen, ohne, dass diese konstruiert werden müssen: Vögel, Regen, unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten, der Wald als offenes Bewegungsangebot und vieles mehr. Die Kinder haben Zeit, zu fühlen und zu beobachten. Alles Faktoren, die Integrationsprozesse positiv beeinflussen. Da keine bestimmten Voraussetzungen notwendig sind, um sich künstlerisch zu betätigen, schafft das ästhetische Gestalten in unserem Schulkonzept einen großen Raum zum Ausprobieren. Sowohl Kinder mit Autismus-Spektrum, körperlicher Beeinträchtigung, Hochbegabung, Kinder, die zum Beispiel noch nicht die deutsche Sprache erlernt haben, oder Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen können an diesem Prozess teilnehmen. Unsere Binnendifferenzierung mit unterschiedlichen Lernzielen und einem zieldifferenzierten Lernen bieten gute Voraussetzungen für eine funktionierende und gelebte Inklusion. Verschiedene Altersstufen, Begabungen und Temperamente sollen miteinander lernen können, mit verschiedenen Stärken und Schwächen und mit unterschiedlichem Lern- und Entwicklungstempo. Jedes Kind darf in seinem eigenen Tempo lernen, mit seinen eigenen individuell abgesteckten Zielen. Ein beeinträchtigtes Kind unterscheidet sich daher nicht in seiner Behinderung, sondern nur in seinem abgesteckten Ziel von den anderen. Gleichzeitig bewerten die Lernbegleiter*innen die Kinder nur nach ihren individuellen Zielen. Die Schüler*innen werden nicht nach Leistungsstand und Begabung selektiert, was ihnen eine freie Identitätsentwicklung ermöglicht. Mögliche Grenzen bei der Aufnahme eines beeinträchtigten Kindes entstehen allerdings dann, wenn das Kind durch eine starke Behinderung auch mit bestmöglicher individueller Begleitung und räumlichen Ausstattung nicht in der Lage ist, die natürliche Umgebung Wald für seine Entwicklung nutzen zu können. Eine verantwortliche Entscheidung über die Möglichkeit einer Aufnahme wird im Einzelfall und in enger und transparenter Zusammenarbeit der Leitung und des Trägers der Einrichtung mit den Eltern des Kindes, den Ärzten und ggf. Therapeuten getroffen. Inklusion gibt Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung die Chance, Verständnis und Respekt für die Andersartigkeit und Besonderheit anderer Menschen zu entwickeln und selbstverständlich gegenseitige Hilfsbereitschaft zu praktizieren. Um dies zu schulen, ist es besonders wichtig, dass Kinder möglichst früh gemeinsam und voneinander lernen, sodass Vorurteile erst gar nicht entstehen. Der selbstverständliche Umgang mit Vielfalt trägt wesentlich zur Wertebildung bei und schafft ein Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung. Da unsere Gesellschaft sich ihrer Vielfältigkeit zunehmend bewusst wird, sind dies wichtige Kernkompetenzen.
Da die Schüler*innen bereits sehr früh in ihrem privaten Umfeld in Kontakt mit Smartphone, Computern und anderen technischen Apparaten kommen, legen wir an der Freien Waldschule daher großen Wert auf einen bewussten Umgang mit diesen Geräten. Statt neue Geräte einzuführen und den Alltag noch digitaler zu machen, wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, wann digitale Medien nützlich sein können und wann es mehr Sinn macht, sich seines analogen Verstandes zu bedienen und wie sich mit echtem Erleben ein Ausgleich schaffen lässt. Uns ist es darüber hinaus wichtig, die Schrift- und Rechenkompetenz, ohne den Einsatz digitaler Medien aufzubauen. Studien zeigen, dass die Lernfähigkeit höher ist, wenn mit der Hand geschrieben wird. Darüber hinaus wirkt sich eine neuronale Überaktivierung des Gehirns, beispielsweise durch zu viel und negativen Einsatz der digitalen Medien, negativ auf die Ausreifung des Vorderhirns aus. Ein verantwortungsvoller und dem Alter entsprechender Umgang im Gebrauch von digitalen Medien ist daher essentiell. Dennoch wollen wir den Kindern die Vorteile digitaler Medien vor allem bei der Projektarbeit näherbringen. Gerade mobile Geräte wie Tablets lassen sich sehr gut in den Wald mitnehmen, um Projekte zu filmen oder zu fotografieren sowie zur Dokumentation und Präsentation von Ergebnissen. Auch für Recherchezwecke ist der Einsatz von Tablets und PCs vorgesehen.