Unser Schulkonzept

Warum wir eine Schule gründen

Die Anforderungen in der heutigen Gesellschaft mit ihrer Informationsflut zeigen, dass es nicht mehr darum geht, nur noch Fachwissen anzuhäufen. Es geht vielmehr um die Fähigkeit lebenslang und eigenständig zu lernen. Doch wie funktioniert lebenslanges und eigenständiges Lernen?

Anhand aktueller neurowissenschaftlicher Erkenntnisse wissen wir: Wenn Gelerntes emotionale Zentren aktiviert, also Freude auslöst, werden Botenstoffe freigesetzt. Dadurch verankern sich neuaufgebaute Netzwerke im Gehirn und bilden dauerhafte Verbindungen – eine Voraussetzung für langfristiges Lernen. Echtes Lernen, das sich langfristig im Gehirn verankert, geschieht also nur durch Freude und durch die Möglichkeit, dem eigenen Interesse zu folgen.

Unser Ziel für die Kinder ist damit einfach und klar: Sie sollen mit Freude und Begeisterung lernen. Nur dann kann Bildung überhaupt gelingen und die Kinder ihr volles Potential entfalten.

„Damit sich im Hirn etwas langfristig verankert, muss das Gelernte,
unter die Haut gehen.“

Gerald Hüther

Wie wollen wir die Freude am Lernen erhalten?

  1. Durch unsere besondere pädagogische Ausrichtung und Inspirationskultur.
  2. Durch vertrauensvolle Beziehungen zwischen Lernbegleiter*innen und Schüler*innen.
  3. Indem wir die Neugier und die intrinsische Lernbereitschaft/Motivation der Schüler*innen achten, ihr im schulischen Alltag viel Raum geben und sie so bewahren.

 

1. Besondere pädagogische Ausrichtung und Inspirationskultur

Studien zeigen, dass wir uns am wohlsten und glücklichsten fühlen, wenn in unseren Tätigkeiten möglichst die Gesamtheit unserer Sinne angesprochen werden. Das steigert Leistungsfähigkeit und Konzentration. So verankert sich Erlerntes langfristig im Gehirn.

Durch den Wald als Lernumgebung und dem künstlerischen Zugang zu verschiedenen Lerngegenständen werden all diese, für den Lernprozess wichtigen, Sinne der Kinder angesprochen.

Sie werden durch vielfältigen Input inspiriert, können eigene Projekte umsetzen oder in gemeinsamen Projekten ihren Platz finden und sich ausprobieren. Ihre Freude am Lernen wird durch die individuelle Begleitung und die Freiheit, ihren Interessen nachzugehen, unterstützt.

Dabei werden die Inhalte des allgemeingültigen Bildungsplans des Landes Baden-Württemberg stets berücksichtigt und durch ästhetische Herangehensweisen in Projekten durch alle Sinne erfahrbar gemacht.

2. Vertrauensvolle Beziehungen zwischen Lernbegleiter*innen und Schüler*innen

Neurobiologische Studien zeigen, dass Kinder persönliche Bindungen zu Bezugspersonen brauchen. Sie brauchen Vertrauen, Einfühlung und Unterstützung, um sich frei von Angst der Welt zuwenden und lernen zu können. Eine zentrale Säule unseres Schulkonzepts ist daher das Verhältnis zwischen Lernbegleiter*innen und Schüler*innen.

Unsere Lernbegleiter*innen sehen die Schüler*innen in ihren Gesamtpersönlichkeiten.

Die Beziehung ist geprägt durch das Vertrauen in die individuellen Entwicklungskräfte der Schüler*innen. Durch Achtsamkeit und genaues Beobachten erkennen die Lernbegleiter*innen die sensiblen Phasen und die Entwicklungsstufen der Kinder.

Sie erkennen möglichen Lernhemmungen, und versuchen gemeinsam im Team und mit den Eltern die Ursachen aufzudecken und die Kinder bei deren Überwindung unterstützen.

Die Lernbegleiter*innen stehen daher nicht mehr im Zentrum des Unterrichts. Sie sind nicht die allwissenden Autoritäten, sondern begleiten die Kindern, wenn neue Dinge erforscht und in Projekten untersucht werden. Sie beraten und motivieren, anstatt anzuleiten und vorzugeben. Sie „belehren“ nicht, sondern setzen Impulse, begeistern und inspirieren.

In einer angstfreien, strukturierten und anregenden Lernatmosphäre stehen sie den Schüler*innen bei ihren selbstbestimmten Lernprozessen zur Seite. Sie helfen den Schüler*innen individuelle Lernwege und Ziele zu definieren, Lernwege selbstständig zu planen und ihren Kompetenzstand einzuordnen.

"Bildung ist mehr als auswendig
gelerntes Wissen."

Gerald Hüther

3. Intrinsische Motivation

Nur was als bedeutsam erachtet wird, verankert sich im Langzeitgedächtnis. Hierfür ist der innere Antrieb zum Lernen essentiell – die intrinsische Motivation. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die intrinsischen Kräfte der Kinder zu erkennen und zu wahren, die natürliche Neugier zu achten oder wieder zu aktivieren und so den Grundstein für lebenslanges Lernen zu legen.

Das heißt, es gibt einerseits keine Leistungskontrolle in Form von Notengebung und Hausaufgaben. Weder Belohnungen noch Bestrafungen sollen die intrinsische Motivation „zerstören“. Andererseits vermeiden wir durch Projektarbeiten und Freiarbeitszeiten den Frontalunterricht.

Wissen wird nicht „vorgekaut“, sondern gezielte Impulse sollen die Schüler*innen motivieren, sich Themen selbst zu erarbeiten. Gleichzeitig ist unser Ziel, eine liebevolle emotionale Verbindung zu den Kindern aufzubauen, ohne diese Bindung als Druckmittel für bestimmtes Lernverhalten auszunutzen.

Themengebiete sollen fächerübergreifend in der Alltagswelt der Kinder verankert werden. Die Lerngegenstände werden auf diese Weise greifbar und bedeutsam. Damit möchten wir uns von der reinen Fächerzuordnung distanzieren.

Durch dieses von innen motivierte, von außen nicht geleitete, aber begleitete Arbeiten, entstehen Momente absoluter Konzentration. Lernschritte gehen flüssig ineinander über, wodurch sich die Kinder nicht mehr abgehoben, sondern gänzlich in der eigenen Aktivität wiederfinden. Dieses Flow-Erlebnis gilt als spezielles Phänomen der intrinsischen Motivation (Stangl, 2021).

Unser Leitbild
  • Die Kinder entwickeln eine wertschätzende Grundhaltung für sich selbst und Andere. Sie lernen ihre Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und zu formulieren. Sie entwickeln Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Sie erleben sich als aktiven Teil der Gemeinschaft, gestalten mit und übernehmen Verantwortung für sich und das Ganze, auch über die Schulgemeinschaft hinaus. Freiheit, Sicherheit und Geborgenheit und eine zuverlässige, empathische Begleitung bilden die Basis dafür, dass sich individuelle Interessen, Bedürfnisse und Entwicklungskräfte entfalten können.
  • Ein Ort für alle
    Gemeinsam leben wir Vielfalt und Einzigartigkeit. Dafür schaffen wir einen inklusiven und diskriminierungssensiblen Raum.
  • Miteinander
    Wir schaffen einen Ort, der Begegnung, Gemeinschaft und Selbstverwirklichung ermöglicht. Wir leben ein respektvolles Miteinander, das von Offenheit, Ehrlichkeit und Wertschätzung geprägt ist, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und inspirieren uns gegenseitig.
  • Wald und Natur

    Wir lernen im Wald, mit und in der Natur und entwickeln eine respekt- und liebevolle Verbindung zu ihr. Der Wald bietet uns Raum für Bewegung und Lebendigkeit. Wir leben und erleben Gesundheit. Dabei entsteht ein Bewusstsein für die Bedeutsamkeit von Nachhaltigkeit und einer zukunftsfähigen Lebensweise, das Verantwortungsgefühl und Zuversicht weckt.

  • Ästhetische Bildung

    Wir lernen ganzheitlich mit allen Sinnen, fächerübergreifend in kreativen und schöpferischen Prozessen.

  • Potentialentfaltung

    Wir lernen freudvoll mit- und voneinander in komplexen, lebensweltlichen Zusammenhängen und erhalten und fördern eine intrinsiche Motivation. Wir schaffen einen Raum, in dem Kreativität und ein Lernen im Flow möglich wird. In einer fehlerfreundlichen Lernkultur, die von Eigenverantwortung und Selbständigkeit geprägt ist, erfahren wir Selbstwirksamkeit und ermöglichen uns Selbstverwirklichung.

  • Organisation

    Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung für eine verlässliche Organisation und ihre Weiterentwicklung und verteilen Aufgaben nach Interessen und Fähigkeiten. Wir arbeiten und kommunizieren in transparenten und übersichtlichen Strukturen.

  • Reflexion

    Wir reflektieren, evaluieren und nehmen uns Raum für Austausch und Supervision. Wir bleiben offen für Bewegung und Veränderung.